Von Mäusen und Mode

Von Mäusen und Mode

Mode, das war lange Zeit etwas, das man mehr oder weniger von den großen Machern vorgegeben bekam. Von den tragbaren Farben über die erlaubte Rocklänge bis zu tolerierten Kombinationen wurde alles Saison für Saison neu festgelegt. Langweiler-Labels ließen wenig Raum für Individualität und Kreativität. Das Motto „Erlaubt ist, was gefällt“ war allenfalls Wunschdenken. Selbst vermeintliche Moderebellen wie die Punks und Gothics dieser Welt kamen reichlich uniform daher. Und Grufties, sprich: Leute über vierzig, galten fashionmäßig ohnehin schon als jenseits von Gut und Böse, verdammt dazu, sich bis in alle Ewigkeit in Mausgrau und Beige zu hüllen. Überknielang, bitteschön …

Wie gut, dass sich der Planet Fashion in den letzten Jahren weitergedreht hat. Heute heißt es geradezu: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Man muss nicht einmal aussehen wie ein Supermodel, um Spaß an und mit Mode zu haben. So werden in der Zeitschrift Brigitte neuerdings ganz normale Frauen quasi über Nacht zu Models. Wie cool ist das denn! Eine 59-jährige Sibylle Weischenberg sitzt lässig in Lederjacke, Karohemd, sexy Leggings und Lack-Highheels auf dem Sofa im Frühstücksfernsehen. Kompliment! Und im Fashion-Blog einer 14-jährigen, nicht übermäßig hübschen Göre namens Tavi Gevinson lernen wir, dass das, was man früher als stillos „zusammengeschustert“ bezeichnet hätte, jetzt absolut „en vogue“ ist – man muss es nur selbstbewusst tragen. Welch befreiender Gedanke! In SATC hat Fashion-Ikone Sarah Jessica Parker es als eine der ersten vorgemacht: den selbstbewussten und individuellen Mix aus teuer und preiswert, aus cool und verspielt, aus alt und neu. Oder hat in den Achtziger Jahren vielleicht jemand mal das Wort „Vintage“ gehört? Nein, wer „in“ sein wollte, der kaufte bei Esprit, Benetton, Marco Polo & Co. – aber wohl kaum im Second-Hand-Laden. Auch die Schuhmode war noch nie so spannend wie heute. Schuhe von Manolo Blahnik, Jimmy Choo, Christian Louboutin – kannte doch keiner! Jetzt bekommt man sie, nicht an jeder Ecke, aber übers Internet. Und selbst, wenn man sie sich im Original nicht leisten kann: Die Inspiration ist, was zählt. Auch ausgefallene Modedesigner gab es immer – aber ihre verrückten Laufstegkreationen wurden eher belächelt als getragen. Heute setzen Designer wie Vivienne Westwood frische neue Trends, die begeistert angenommen und umgesetzt werden. Nachstylen ist dabei erlaubt – aber bitte mit einem Hauch Personality. Mode braucht Mut. Danke an alle Mutigen, denn endlich geht die Gleichung auf: Fashion = Fun.

Von Mäusen und Mode, 5.0 out of 5 based on 1 rating

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Kommentare

  1. Chris

    Guter Artikel, witzig geschrieben. Der Link zum Fashion-Blog geht aber nicht.

1 Kommentar