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Kleider machen immer noch Leute

Es zeigt sich in einer neuen Studie schon wieder – es reichen nur Bruchteile einer Sekunde, um Menschen in eine gesellschaftliche Kategorie einzusortieren.

Obwohl unsere Gesellschaft als immer offener wahrgenommen wird und herkömmliche Kleidungsregeln zunehmend ignoriert werden dürfen, gilt eine reich aussehende Garderobe als Zeichen für Intelligenz und Erfolg, während einfache Kleider wie früher als Hinweis auf mäßigen wirtschaftlichen Erfolg verstanden werden.

Um zu diesen Resultaten haben Wissenschaftler in Princeton Probanden Fotomontagen präsentiert, bei denen das selbe Gesicht auf verschieden gekleidete Oberkörper montiert worden sind. Das Untersuchungsergebnis war eindeutig – bewusst oder unbewusst sorgte die Kleidung für eine positive oder negative Einstufung. Zuvor hatte eine Jury verschiedene Outfits in Kategorien zwischen reich und ärmlich einsortiert. Die Bilder stuften die Probanden anschließend ein. Über 80 Prozent hielten die Person auf dem Foto – immer dasselbe Gesicht auf unterschiedlichen Oberkörpern – für kompetenter, je teurer die Kleidung aussah.

Dabei ist natürlich längst bekannt, dass die Kleidung keine Aussage mehr hat, wie intelligent, gebildet oder wirtschaftlich erfolgreich ihr Träger ist. Der elegant in teure Markenprodukte gekleidete Mensch kann entsprechend durch die Straßen spazieren ohne einen höheren Schulabschluss zu haben. Auf der anderen Seite kann sich der promovierte Informatiker T-Shirt bedrucken lassen und mit einem alten, verwaschenen T-Shirt zur Arbeit kommen und trotzdem gutes Geld verdienen.

Verlieren Statussymbole an Bedeutung?

Ebenso wie andere Statussymbole auch verliert auch Kleidung zunehmend an Stellenwert. Häufig gelten teure Autos, Schmuck oder Uhren nicht mehr als Zeichen von einem hohen gesellschaftlichen Status – sondern als unpassende Zurschaustellung vom eigenen Geltungsbedürfnis.

Aber das bedeutet nicht, dass Statussymbole allgemein an Bedeutung verlieren – sie wandeln sich in der modernen Gesellschaft nur hin zu (vordergründig) immateriellen Gütern. Teure Kleidung gilt immer öfter als unbeholfene Zurschaustellung des eigenen Egos und je teurer das Auto ist, desto mehr rümpft die Gesellschaft die Nase über die CO2 Emissionen.

Der mit Urlaubsfotos gefüllte Instagram-Account ist dagegen das neue Statussymbol. Hier vermittelt die nachwachsende Generation ihre Weltoffenheit, Neugierde und Reiselust. Das Bedürfnis nach Anerkennung, das Statussymbolen zu Grunde verlagert sich zunehmend in den Digitalen Raum. Egal ob der besonders schöne Feuerstein, die große Axt, die größte Perücke oder das größte Auto – Statussymbole sind so alt wie die Gesellschaft.

Dementsprechend ist es naheliegend, dass Menschen so auf die Statussymbole trainiert sind, dass sie einerseits sagen, ihnen wären Statussymbole wie Autos oder Kleidung nicht mehr wichtig, aber trotzdem mit Barbour-Schals oder verwaschenen Sprüche T-Shirts bestimmte Assoziationen verbinden. Zu Zeiten des Klimawandels ändern sich Statussymbole, aber nicht die Denkweise der Menschen.

Photo by Brooke Lark on Unsplash


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