Amerikanische Väter schwören feierlich, die Jungfräulichkeit ihrer Töchter zu verteidigen
Durch Zufall bin ich letztens im Netz auf ein Thema aufmerksam geworden, das mich ziemlich beschäftigt und interessiert hat. Ich dachte mir, ich schreibe hier mal was darüber. Vielleicht gibt mir ja die ein oder andere von euch ein Feedback dazu.
Schon lange ist in Amerika der Trend zu beobachten, dass vor allem junge Mädchen ihre Jungfräulichkeit bis zu Ehe bewahren wollen. Die christliche Bewegung “True Love Waits” verzeichnet einen stetigen Zuwachs. Solange die Jugendlichen für sich selbst entscheiden, dass sie keinen Sex vor der Ehe haben möchten, ist dagegen gar nichts einzuwenden. Das muss schließlich jeder selbst wissen.
Aber inzwischen wird vielen jungen Mädchen diese Entscheidung immer öfter aufgezwungen – und zwar von ihren Vätern. Es finden immer häufiger sogenannte “Purity Balls” statt, auf denen Töchter ihren Vätern symbolisch den Schlüssel zu ihrem Herzen übergeben und Väter feierlich schwören, die Jungfräulichkeit ihrer Töchter zu schützen. Die ganze Veranstaltung erinnert an eine Hochzeit – die Mädchen tragen brautkleidähnliche Kleider, machen sich schick, die Väter tragen Anzug, Ringe werden getauscht, Versprechen abgelegt. Zwei sich liebende Menschen werden enger aneinander gebunden. Nur sind das hier nicht zwei Verliebte, die sich gefunden haben und ihr Leben miteinander teilen wollen. Hier werden Töchter an ihre Väter gebunden.
Gegen eine engere Vater-Tochter-Beziehung ist nichts zu sagen. Aber durch das abgegebene Keuschheitsversprechen übergeben die Töchter die Gewalt über einen Teil ihrer Körperlichkeit und auch über einen Teil ihrer Freiheit in die Hand ihrer Väter. Die Mädchen, die hier dieses Gelübde ablegen, werden immer jünger. Väter kommen bereits mit ihren unter zehnjährigen Mädchen zu den Purity Balls. Kleine Mädchen, die noch gar nicht erfassen können, was sie da versprechen.
Für viele der Töchter ist es einfach eine schöne Gelegenheit, einmal ein Ballkleid tragen zu dürfen, ein schönes Fest zu ihren Ehren zu erleben. Die Väter sind diejenigen, die maßgeblich die Entscheidung über ihre Kinder treffen. Da gibt es solche, die ihren Mädchen komplett den Umgang mit Jungs untersagen. Um zu verhindern, dass ihr kleines, unschuldiges Mädchen auch nur in die Nähe von Jungs kommt, unterrichten manche Väter ihre Kinder sogar daheim. Es gibt Väter, die sagen, nur der zukünftige Ehemann dürfe mit ihrer Töchter ausgehen. Den Widerspruch dieser Aussage erkennen sie anscheinend nicht. Wie soll die Tochter herausfinden, wer “der Richtige” ist, wenn sie keine Männer kennen lernen darf? Kommt es in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bald auch so weit, dass die Väter die Ehemänner ihrer Töchter bestimmen? Außerdem muss man sich fragen, welches Männerbild diese Väter in sich tragen. Männer, die jede Frau nur als sexuelles Objekt sehen? Vor denen die eigene Tochter beschützt werden muss? Aber müssten diese Väter sich dann nicht selbst vor diesem Männerbild sehen? Was unterscheidet sie von diesen “bösen” anderen Männern?
Andere Väter sind etwas liberaler. Die Tochter darf mit Jungs ausgehen, nur Sex vor der Ehe ist strikt verboten. Dass die meisten der hier predigenden Väter selbst nicht bis zur Hochzeitsnacht gewartet haben, spielt hier anscheinend keine Rolle. Oder ist das mal wieder der entscheidende Unterschied zwischen Männern und Frauen in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft? Männer dürfen sich ausleben, Frauen müssen sich aufsparen? Das Erstaunliche ist, dass die Mütter der Mädchen bei den Purity Balls völlig außern vor sind. Sie nehmen daran nicht teil, treffen höchsten die Vorbereitungen. Sie sorgen dafür, dass ihre Töchterchen schön hübsch aussehen, wenn sie sich an ihre Väter binden.
Etwas heuchlerisch ist zudem, dass man auch das Gelübde der “second virginity” ablegen kann. Selbst wenn man also schon mal Sex vor der Ehe hatte, kann man danach immer noch versprechen, das nie wieder zu tun – bis man eben verheiratet ist. Macht das Sinn?
Zwar muss man dazu sagen, dass dieser Trend zu Keuschheitsversprechen bisher nur in sehr christlich puritanisch geprägten Familien zu beobachten ist. Aber eine andere Beobachtung ist auch, dass sich nur ein geringer Prozentsatz der Jugendlichen, die ein solches Gelübde abgeben, sich auch daran hält. Das wirklich Schlimme daran ist aber, dass sehr viele dieser Jugendlichen beim “verbotenen” Sex nicht auf Verhütung achten. Die “Abstinence-Only”-Bewegung lehnt wie streng christliche Bewegungen Verhütungsmittel ab. Wer verhütet, hat sich quasi vorsätzlich auf Sex vorbereitet. Das führt dazu, dass die Jugendlichen nicht vor Geschlechtskrankheiten geschützt sind.
Was ich mit diesem Beitrag eigentlich vermitteln möchte, ist, dass wir alle froh sein können, dass wir selbst bestimmen können, was wir machen. Ob zu warten oder nicht, muss jeder selbst wissen. Nur ihr wisst, was das Richtige für euch ist!
Ich würde mich echt freuen, eure Meinung zu dem Thema zu erfahren! Schreibt doch einen Kommentar dazu!
Mehr Infos über das Thema findet ihr auf folgenden Seiten:
- FAZ.Net: “Kein Sex vor der Ehe”
- Purityball
- Glamour: “Would you pledge your virginity to your father?”

ich habe auch ezwas über diese bewegung gesehen. allerdings sollten das die mädchen selber entscheiden und nicht ihre väter.
Kommentar von modeshopper — 26. Dezember 2008 @ 16:22